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Digital & Alltag

Virtuelle Desktops und portable Programme: was aus den Werkzeugen von 2006 wurde

Dexpot, portable Apps vom USB-Stick, Groove, VMware Player: die Werkzeuge, über die auf dieser Seite 2005 bis 2008 geschrieben wurde, und was heute an ihrer Stelle steht.

Zuletzt geprüft am 03. August 2026

Zwischen 2005 und 2008 war denkmetho.de ein Weblog, in dem regelmäßig Werkzeuge für den Rechneralltag vorkamen. Ein Teil dieser Beiträge wird bis heute verlinkt, was für zwanzig Jahre alte Softwaretipps bemerkenswert ist. Statt diese Adressen ins Leere laufen zu lassen, steht hier, was aus den damaligen Werkzeugen geworden ist.

Virtuelle Desktops: vom Zusatzprogramm zur Systemfunktion

Wer 2006 mehrere Arbeitsflächen wollte, brauchte ein Zusatzprogramm. Unter Windows war Dexpot das verbreitetste, ein deutsches Programm, das mehrere Desktops mit eigenen Fenstern, Hintergründen und Regeln bereitstellte. Es war für private Nutzung kostenlos und leistete Dinge, die das Betriebssystem schlicht nicht anbot.

Heute ist die Funktion überall eingebaut. Windows nennt sie Desktops und zeigt sie in der Taskansicht, macOS führt sie unter Mission Control, die verbreiteten Linux-Oberflächen haben sie seit jeher. Dexpot selbst wird seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt.

Interessanter als die Softwaregeschichte ist, was die Praxis daraus gemacht hat. Virtuelle Desktops funktionieren gut, wenn sie nach Kontext getrennt werden, also etwa ein Desktop pro Aufgabe oder Projekt, und schlecht, wenn sie nach Programm sortiert werden. Der Grund ist der Wechselaufwand: Jeder Kontextwechsel kostet Aufmerksamkeit, und wer beim Arbeiten an einer Sache ständig zwischen Flächen springt, hat sich die Ablenkung nur besser organisiert.

Als brauchbare Aufteilung hat sich bewährt: eine Fläche für die aktuelle Aufgabe, eine für Kommunikation, und wenn nötig eine dritte für dauerhaft Laufendes. Mehr als drei bis vier nutzen die wenigsten wirklich.

Portable Programme: der USB-Stick ist gegangen, das Prinzip geblieben

Portable Apps waren Programme, die ohne Installation direkt vom Wechseldatenträger liefen und ihre Einstellungen im eigenen Ordner behielten. Auf einem Stick ließ sich so eine komplette Arbeitsumgebung mitnehmen: Browser mit Lesezeichen, Editor, Mailprogramm, Passwortspeicher.

Der Anwendungsfall dahinter hat sich verlagert, nicht erledigt. Was früher der Stick war, sind heute Kontosynchronisation und Webanwendungen. Der Browser bringt Lesezeichen und Passwörter mit, Dokumente liegen ohnehin online, und für den Rest gibt es Weboberflächen.

Zwei Nischen sind geblieben, in denen das Prinzip weiterlebt. Erstens auf Rechnern, auf denen nicht installiert werden darf, etwa an Arbeitsplätzen mit eingeschränkten Rechten. Zweitens dort, wo bewusst keine Spuren auf dem Fremdrechner bleiben sollen. Für beides gibt es die Sammlungen portabler Programme weiterhin, und die technische Idee ist unverändert.

Groove: die Idee war früher da als die Werkzeuge

Groove war eine Software für gemeinsames Arbeiten in Arbeitsbereichen, die sich direkt zwischen den beteiligten Rechnern abglichen, ohne zentralen Server. Für verteilte Teams mit unzuverlässiger Verbindung war das damals eine sehr gute Antwort, weil offline weitergearbeitet werden konnte und der Abgleich später passierte.

Microsoft kaufte das Produkt, führte es als SharePoint Workspace weiter und stellte es schließlich ein. Die Idee dahinter hat sich trotzdem durchgesetzt, nur andersherum: Heute liegt der gemeinsame Stand in der Cloud, und die Geräte gleichen sich dorthin ab. Rein dezentraler Abgleich ist die Ausnahme geblieben, es gibt ihn aber weiterhin für alle, die ihre Daten nicht bei einem Anbieter liegen haben wollen.

Virtuelle Maschinen: aus Neugier wurde Infrastruktur

Der kostenlose VMware Player machte es Mitte der 2000er erstmals unkompliziert, ein zweites Betriebssystem in einem Fenster laufen zu lassen. Was damals als Bastelthema galt, ist heute die Grundlage praktisch jeder Serverlandschaft, und auf dem Arbeitsplatzrechner ist es Alltag: Ein zweites System zum Ausprobieren, für alte Software oder für Aufgaben, die vom Hauptsystem getrennt bleiben sollen, ist heute eine Sache von Minuten. Für die meisten Zwecke sind Container inzwischen der leichtere Weg.

Flash: das seltene Beispiel eines echten Endes

Flashblock war eine Browser-Erweiterung, die Flash-Inhalte zunächst blockierte und erst nach Klick lud. Sie existierte, weil Flash gleichzeitig für Videos, Spiele, Navigationsmenüs und Werbung eingesetzt wurde, und weil Letztere Rechner spürbar ausbremste.

Flash ist seit Ende 2020 endgültig abgeschaltet. Was blieb, ist das Muster: Inhalte, die von sich aus laden und laufen, gegen solche, die erst auf Anforderung starten. Genau das leisten heute Inhaltsblocker und die Browser selbst, indem sie automatisches Abspielen unterbinden. Die Motivation ist dieselbe geblieben, nur die Technik dahinter ist ausgetauscht.

Der Bogen zum Rest dieser Seite

Werkzeuge, die Aufmerksamkeit ordnen, sind kein reines Technikthema. Wer acht Stunden am Bildschirm arbeitet, merkt am Abend an Nacken und Augen, wie der Tag organisiert war. Was dagegen hilft, steht unter Bildschirmarbeit, Nacken und Augen. Wie die Netzkultur aussah, aus der diese Beiträge stammen, steht unter Rückblick auf die deutsche Blogosphäre.

Kurz zusammengefasst

Virtuelle Desktops sind vom Zusatzprogramm zur Systemfunktion geworden und wirken am besten nach Kontext getrennt, nicht nach Programm. Portable Programme haben ihren Zweck an Synchronisation und Webanwendungen verloren, bleiben aber dort sinnvoll, wo nicht installiert werden darf. Groove ist eingestellt, seine Idee hat sich in anderer Form durchgesetzt. Virtuelle Maschinen sind von der Spielerei zur Infrastruktur geworden, und Flash ist eines der wenigen Beispiele für eine Technik, die wirklich verschwunden ist.

Führt mehrere Software-Beiträge aus der Weblog-Zeit dieser Domain (2005 bis 2008) zusammen und schreibt sie auf den heutigen Stand fort.

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